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Mit dem ABC der Dialekte das sprachliche und kulturelle Erbe Österreichs aufarbeiten

Reflexion zu Änel (c) ABC der Dialekte

Wisst ihr was eine Ähnl ist? Verwendet ihr das Wort emsig noch? Mit dem "ABC der Dialekte" könnt ihr alte Dialektwörter wiederentdecken und bei der Aufarbeitung des sprachlichen und kulturellen Erbes Österreichs mitarbeiten.

Das Material und frühe Citizen Science

Das "Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich (WBÖ)" ist ein Langzeitprojekt der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das vor über hundert Jahren – im Jahr 1912 – begonnen hat und bis heute fortgeführt wird. Ziel war es, ein Dialektwörterbuch zum Bairischen zu erschaffen. Bairisch mit i bezieht sich dabei auf den Sprachraum: in fast ganz Österreich - aber auch in Teilen Bayerns und Südtirol - werden bairische Dialekte gesprochen, mit Ausnahme von Vorarlberg, das zum alemannischen Sprachraum gehört. (Deswegen verstehen Menschen aus den anderen Bundesländern die Bayern besser als die Vorarlberger:innen und die Vorarlberger:innen sprechen ähnlich wie die Schweizer:innen.)

Schon zu Beginn des WBÖs hat man auf Citizen Science gesetzt, obwohl es den Begriff dafür noch nicht gab. Zwischen 1913 und 1937 haben unzählige freiwillige Sammler:innen im damaligen österreichischen Gebiet – die Grenzen haben sich inzwischen ja verschoben – mithilfe von Fragebögen die Mundart in ihrem Ort dokumentiert. Um die Daten zu ergänzen, wurden bis 1990 zusätzlich sogenannte "Kundfahrten" von geschulten Explorator:innen durchgeführt und einschlägige Literatur exzerpiert. Der größte Teil (etwa 54%) stammt allerdings von den dialektkompetenten Citizen Scientists. (Mehr Informationen zur Datensammlung findet ihr auf der WBÖ-Seite zur Materialsammlung.)

Die Datensammlung umfasst mehr als 3 Millionen Handzettel mit unterschiedlichen Handschriften. Das meiste Material wurde für die leichtere Verarbeitung in Wörterbuchartikel und zur Sicherung für die Nachwelt aufwendig in den 90ern und den frühen 2000ern digitalisiert. Die Buchstaben A bis C wurden allerdings ausgespart, da zu dem Zeitpunkt die Wörterbuchbände zu diesen Buchstaben bereits erschienen waren.

Aktuelle Citizen Science greift alte Daten wieder auf

Mit dem Citizen-Science-Projekt "Das ABC der Dialekte" werden diese fehlenden Handzettel nun erneut mit der Hilfe von dialektinteressierten Freiwilligen aufgearbeitet. Dafür werden die Zettel auf der Plattform Zooniverse transkribiert d.h. abgeschrieben. Neben der wichtigen Aufgabe der Digitalisierung der Daten, sollen die Daten auch reflektiert werden, um den Sprachwandel der letzten hundert Jahre zu untersuchen. Bei der Reflexion beantwortet man Fragen dazu, ob man das gezeigte Wort noch kennt, wer es noch in welchen Situationen verwendet und ob sich die Bedeutung verändert hat.

Sprache verändert sich nämlich ständig mit der Gesellschaft, die sie verwendet. Manche Wörter werden nicht mehr gebraucht, weil sie technisch überholt sind (wie etwa Anke, ein Stampfgerät, mit dem Gerste und Kirschen verarbeitet wurden), manche Wörter wirken heute 'altmodisch' und werden nur mehr von der älteren Generation verwendet, manche Wörter sind mittlerweile standardsprachlich, andere wiederum haben ihre Bedeutung verändert (wie Ampel, das früher ein Öllämpchen bezeichnete).

Bisherige Resultate

Das ABC-Projekt gibt es seit März 2023. Bis jetzt (Februar 2025) haben
  • 126 registrierte Freiwillige (72 nicht angemeldete)
  • 4750 Transkriptionen von über 1451 Handzettel erstellt (jeder Zettel wird zur Qualitätssicherung von mindestens drei verschiedenen Personen abgeschrieben) sowie
  • 4142 Reflexionen zu 1204 Handzetteln.

Von den bisher 4142 gemachten Reflexionen waren um die 73% der Wörter unbekannt. Von den genau 1107 noch bekannten Wörtern, werden die meisten von allen Altersgruppen verwendet. Die Mehrheit der noch bekannten Wörter wird ausschließlich in privaten Kontexten verwendet, gefolgt von Wörtern, die sowohl im privaten wie im formalen Bereich vorkommen. 55% der noch bekannten Wörter haben ihre Bedeutung beibehalten und nur etwa 4% ihre Bedeutung verändert - allerdings kann diese Statistik noch nicht als repräsentativ für alle Daten angesehen werden. Denn: In der Anfangszeit des Projekts wurden im Rahmen des Citizen Science Awards 2023 nur Wörter rund um die Themen Schule und Familie transkribiert. Zur Reflexion freigegeben werden Handzettel erst, wenn sie mindestens dreimal transkribiert wurden, dann müssen sie manuell heruntergeladen, aufbereitet und neu hochgeladen werden, weswegen derzeit noch hauptsächlich Wörter aus diesen Themengebieten zur Reflexion zur Verfügung stehen.

Ihr wollt mitmachen?

Richtet euch dafür auf der Plattform Zooniverse einen Account ein und geht auf unsere Projektseite, klickt dann auf "Klassifizieren", wo ihr zwischen Transkription und Reflexion wählen könnt. Beide Aufgaben verfügen über Anleitungen (Tutorial bzw. Lernprogramm) und hilfreiche Zusatzmaterialien im Benutzerhandbuch. Natürlich könnt ihr auch ohne Registrierung teilnehmen, allerdings bekommt ihr mit Anmeldung Zahlen dazu, wie viel ihr selbst schon beigetragen habt, was sehr motivierend ist. Damit wir alle Fragen der Reflexion auch wissenschaftlich auswerten können, bitten wir darum, neben der Registrierung einmalig auch einige ganz kurze Fragen zu euren soziodemographischen Daten zu beantworten (Alter, Herkunftsort etc.).

Die Handzettel sind alphabetisch sortiert und zu Wortstrecken zusammengefasst. Das bedeutet, dass alle Handzettel zu einem Lemma (Stichwort im Wörterbuch) hintereinanderkommen. Das erleichtert die Transkription, da die Entschlüsselung der Schrift einfacher wird, wenn man die ungefähren Inhalte kennt.

Besondere Talente muss man für die Teilnahme nicht mitbringen. Es reicht lesen zu können und sich auf der Website zurecht finden zu können - oder es mit jemandem zu machen, der einen dabei unterstützt. Das ABC der Dialekte bietet sich besonders für intergenerationelle Zusammenarbeit an: Jugendliche oder junge Erwachsene, die digital affiner sind, können gemeinsam mit ihren Großeltern, die tendenziell noch die alten Schriften lesen können, an den Handzetteln arbeiten. So kommt es auch zum Austausch über sprachliche und kulturelle Praktiken zwischen den Generationen.

Doch auch ohne spezielle Kenntnis alter Handschriften kann jede:r mitmachen. Man sollte sich nur darauf einlassen, etwas Geduld mitbringen und die Unterstützungsmaterialien nützen. Denn: je mehr man sich mit den Handschriften auseinandersetzt und je mehr man transkribiert, desto besser wird man. Wörter zu entschlüsseln, wird zum richtigen Erfolgserlebnis!

Sparkling-Science-Spotlight am 13. März
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